Tagesbild 0919
"Bin ich selber so alt oder wurde ich in veralterten Schulen unterrichtet?" fragte ich schon vor mehr als 7 Jahren in einem Beitrag >[^o^] für den AMI-Kurier, nachdem ich in einem Schulmuseum feststellen musste, daß mir viele der alten Utensilien arg vertraut sind.
Ähnliches kam mir nun wieder in den Sinn, als ich in einer stadtgeschichtlichen Ausstellung durch so eingerichtete Wohnräume schlenderte:

Ähnliches kam mir nun wieder in den Sinn, als ich in einer stadtgeschichtlichen Ausstellung durch so eingerichtete Wohnräume schlenderte:

plog - Sa, 31. Okt, 20:00
Als Kind mochte ich diesen Stil sehr. Ich mag ihn eigentlich immer noch, wobei ich heute durchaus auch das "biedermeierliche" daran erkenne. Eine ganze Wohnung so eingerichtet würde ich daher nicht wollen, nicht einmal ein Zimmer.
In meinem Elternhaus gab es all dies allerdings nur noch vereinzelt. Damals kamen hellere Farben auf, alles - auch die Anrichten, die dann auf Beinen standen anstatt en bloc auf dem Boden zu ruhen - wurde noch leichter.
Geblieben war beispielsweise eine Vase wie die auf dem Tisch, aus Kupfer, ein Verlobungsgeschenk für meine Eltern. Oder ein Tablett, auf dem passgenau verschieden rechteckige und quadratische Porzellanschälchen angeordnet waren, bunt, für Knabbereien.
Diese auf dieselbe Art bunte Römer-Sammlung in ihrer Halterung
gab es in unserem Geschirrschrank ebenfalls, mit sechs Gläsern. Als Drei- oder Vierjährige hatte ich mehrmals diesen Geschirrschrank ausgeräumt, d.h. ich hatte dessen kompletten Inhalt gaaaaaanz vorsichtig auf dem Sofa platziert. Beim Zurückräumen hatte ich wohl einmal den Halter mit den Römern zu heftig auf das Bord aufgesetzt. Ergebnis: alle Glasfüße waren abgebrochen (ich glaube, es hat sehr lange gedauert, bis das überhaupt bemerkt wurde, und ich glaube, niemand hatte meine Aus- und Einräumaktionen je bemerkt).
Auf meinem Dachboden befinden sich:
Aber solche Cocktail-Sessel wie in der Ausstellung habe ich auch, in der Wohnung, sogar mit Armlehnen:
Das sind Gesellenstücke meines Vaters, die mir zwar schon so manches Mal im Weg herumgestanden sind, die ich aber nach Möglichkeit nicht hergeben möchte.
Tja, so ist das.
In der modernisierten Version stand dieser Tisch auch bei meinen Eltern, als Schwedenmöbel-Couchtisch. Ich glaube, er war sogar auch zum Ausziehen.
Wo ich aber dreimal hinschauen musste, vor Überraschung, das ist dein Radio:
Du wirst es kaum glauben aber wir hatten von genau diesem die aktuellere Version. Es war noch flacher als deines (was wiederum bereits flacher ist als das Radio in der Ausstellung) und aus hellerem Holz. Die Lautsprecher (ja, stereo) waren rechts und links der Anzeige angeordnet, und statt der Textilverkleidung gab es jeweils eine Reihe senkrechter schmaler Schlitze im Gehäuse.
Unverwechselbar: die Noten neben den Höhen- und Tiefen-Reglern (mit Violin- bzw. Baßschlüssel davor), die Abmessungen bzw. Proportionen der Tasten, die vielen kleinen Fensterchen zum Anzeigen der Stationen, der Schriftzug "Melodie" und vor allem der Schriftzug "Graz".
Da sind ganz frühe Kindheitserinnerungen damit verbunden...
Hm.
Weil niemand ihn wollte. Nicht einmal die Leute, die kein Geld haben. Die bevorzugen nämlich ausladenenden Gelsenkirchener Barock, wie ein Blick in den örtlichen Gebrauchtmöbelladen für Leute ohne Geld ergab (und die Auskunft der Frau, die dort arbeitete an jenem Tag und das ebenfalls sehr bedauerte). Und weil ich selbst keinen Platz mehr dafür habe, weil mein "Handwerkszeug" mittlerweile eineinhalb Zimmer belegt. Es ist ja sehr nett, dass man das von der Steuer absetzen kann. Aber es schafft mir keinen weiteren Raum, den ich mal eben zumieten könnte.
Wahrscheinlich war es trotzdem die falsche Entscheidung.