Geschichten ausm Krieg (4)

Am frühen Montagmorgen des 1. Januar 1979 wurde ich - begleitet von meinen Eltern - vom einarmigen Taxifahrer über die in eine Schneedecke gehüllte B229 in jenes Krankenhaus chauffiert, in dem ich Jahre zuvor aus Mutter herausgeholt worden bin. Es ist der Anfang von einem Winter, den es so danach nicht wieder gegeben hat>[^o^]. Am nächsten Tag wurde ich an zwei Stellen aufgeschnitten, im Inneren durchwühlt und konnte mich erst mal nicht mehr rühren. Und weil es nicht reicht, ans Bett gefesselt zu sein, während draußen der Traum von einem Winter stattfindet, wurde mein Körper mit Windpocken>[^o^] übersät. So kam zu Bewegungsunfähigkeit, Wundschmerz , Langeweile und Heimweh auch noch Juckreiz und Fieber. Trotzdem erinnere ich mich noch daran, dass mein Bettnachbar am 4. Tag durchs Radio eine Nachricht aufschnappte, die uns damals sehr betrübte: Peter Frankenfeld>[^o^] war gestorben. Der hatte doch nur Herpes Zoster>[^o^] gehabt. Auch so etwas wie Windpocken. Seine Show wurde von Harald Juhnke übernommen und die Schneeberge wuchsen - nachdem mich der einarmige Taxifahrer wieder nach Hause chauffiert hatte - noch Wochen lang weiter.
Auch zum Thema>[^o^]
plog - So, 4. Jan, 20:20
Und noch was zum Thema
Ein Dokumentarfilm von Claus Oppermann und Gerald Grote, zusammengestellt aus unzähligen Super-8-Filmen.
Der Film dokumentiert weniger die Schneekatastophe als solche, sondern den persönlichen Blick derer, die sie damals als Amateurfilmer abgelichtet hatten.
Filmvorschau & Bestellmöglichkeit hier:
>> www.8mm-kino.de
Auswahl und Schnitt des gestern angeschauten Films hinterließen bei mir eine noch andauernde, nicht näher beschreibbare eigenartige Nachwirkung. Spuren hinterlassen haben vor allem
wirklich beeindruckend
- die norddeutsche unaufgeregtheit
(innenminister: "sehr ernste situation")
- kinder durften raus zum spielen. begriffe wie "schneewalze" gab es noch nicht und die körperliche verfassung des nachwuchses erlaubte es rumzutoben - ohne sofort-schaden wie atemstillstand oder knochenbruch zu erleiden
und:
- man sieht die bundesbahn durch schnee fahren
>> Bildquelle
Beeindruckende Eiszapfen. War das vor eurer Haustür?
wenn es den gab, stimmt der ja so auch nicht mehr...
>[^o^]
>> "Alles schläft, einer fährt"
Einem Schwarzbuch, das vom Privatisierungsagitator Bertelsmann verlegt wurde, würde ich indes erst mal nicht so wirklich über den Weg trauen wollen. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit besser und überdies online:
>> www.bahn-fuer-alle.de
Nachtrag
Die 'Bahn für Alle'-Seite ist derzeit nicht so gut gepflegt, wie sie es zu den Hochzeiten der Kampagne war. Für den Informationsgehalt der Seite insgesamt gilt die obige Einschätzung dennoch.
genau das schild meine ich. sah es in den 80ern.
Dann werde ich mir das Buch mal zulegen. Wird Zeit, dass ich meine eingerosteten Hirnzellen wieder sinnvoll bewege.